MyMachine in München: Wenn Kinder Zukunft bauen
- 13. Apr.
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Das von der Initative Classroom Thinktank gemeinsam mit der MyMachine Global initiierte Projekt "MyMachine" wächst weiter in Deutschland – und entwickelt dabei eine Dynamik, die zeigt, wie Lernen neu gedacht werden kann. Nach dem erfolgreichen Start in Stuttgart bereits im Schuljahr 2024/2025 ist das Projekt inzwischen auch in München angekommen. Was hier unter der Leitung von Prof. Dr. Uta Hauck-Thum entsteht, ist weit mehr als ein klassisches Bildungsformat. Es ist ein konkretes Zusammenspiel von Grundschule, Universität, Berufsschule und Museum – mit einem klaren Fokus auf nachhaltige Lernerfahrungen, Selbstwirksamkeit und MINT-Empowerment.
Von der Idee zur Maschine: Wie Kinder zu Erfinder:innen werden und dabei auch Sprachkompetenz gefördert wird
In München entwickeln Grundschulkinder der GS Bauhausplatz, GS Hochstraße und GS Maria-Hilf-Platz über ein Schuljahr hinweg ihre eigenen Traummaschinen. Die Ideen sind so vielfältig wie die Kinder selbst: eine Roboterschildkröte, die Wasserproben aus der Isar entnimmt und Müll aufspürt, ein Hut, der sich bei Regen automatisch entfaltet, oder ein Roboter, der aufräumt und dabei Süßigkeiten verteilt. Begleitet werden die Kinder von Studierenden der Ludwig-Maximilians-Universität München sowie Museumspädagoginnen des Deutsches Museum, unter anderem durch Irina Fritz.

Abb.: Der Aufräum-Süßigkeiten-Roboter "kann aufräumen und bietet gleichzeitig Snacks an" (Quelle: Prof. Dr. Uta-Hauck-Thum)
Bereits in der frühen Phase des Projekts werden die Ideen nicht nur gedacht, sondern sichtbar gemacht. Die Kinder skizzieren ihre Maschinen, beschreiben Funktionen und setzen sich intensiv mit der Frage auseinander, wie ihre Erfindungen tatsächlich funktionieren könnten. Ein wichtiger Bestandteil ist dabei die Erstellung von Erklärfilmen, die gemeinsam mit den Lehramtsstudierenden entwickelt werden. Diese fördern nicht nur Sprachkompetenz, sondern zwingen auch dazu, die eigene Idee präzise zu durchdenken und verständlich zu vermitteln. Gleichzeitig entsteht für die Studierenden ein deutlich klareres Bild der Ideen und Zielsetzungen der Kinder als Erfinder der Maschinen.
Erklärvideo der "Tirfuttermaschine" erkennt Tiere mit KI und öffnet passende Futterluken (Quelle: Prof. Dr. Uta-Hauck-Thum)
Wenn SchülerInnen, Universitätsstudenten, Lehrende, Museumspädagpgen und BerufsschülerInnen zu einem Team werden
Im nächsten Schritt werden die Ideen weitergegeben an Studierende der Technischen Universität München, die auf dieser Basis digitale Modelle entwickeln. In engem Austausch mit den Kindern und den beteiligten Berufsschulen entstehen so konkrete Baupläne. Unterstützt werden sie dabei von den Beruflichen Schulen Altötting unter der Leitung von den Lehrenden Alexander Schauer und Stefan Reindl, wo die Maschinen schließlich gebaut werden. Erste Modelle, unter anderem zur Roboterschildkröte, zum Regenschirm-Hut und zum Aufräum-Süßigkeiten-Roboter, sind bereits entstanden. Mit Hilfe von Software wie Autodesk Fusion werden aus Ideen reale Konstruktionen. Die Kinder begleiten diesen Prozess kontinuierlich, geben Feedback und erleben, wie ihre Gedanken Schritt für Schritt Realität werden.

Abb.: Der Prototyp der "Aufräum-Süßigkeiten-Maschine" im 3D-Druck (Quelle: Prof. Dr. Uta-Hauck-Thum)
Lernen, das Wirkung zeigt: Selbstwirksamkeit im MINT-Kontext
Besonders bemerkenswert ist dabei nicht nur das Ergebnis, sondern der Lernprozess selbst. Kinder erleben, dass ihre Ideen ernst genommen werden und Wirkung entfalten. Studierende arbeiten an realen Fragestellungen statt an theoretischen Übungen. Berufsschüler:innen setzen konkrete Projekte um und bringen ihr technisches Können sichtbar ein. Gleichzeitig entsteht ein Austausch zwischen den Institutionen, der im Alltag so kaum stattfindet. Lehrende, Studierende und Schüler:innen gestalten gemeinsam Lernprozesse und schaffen damit ein Beispiel dafür, wie vernetztes Lernen entlang der Bildungskette funktionieren kann.
Ein zusätzlicher Impuls kam zu Beginn des Projekts durch den Vortrag und Aufruf von Prof. Dr. Michael Decker, Generaldirektor des Deutschen Museums, der die Kinder dazu ermutigte, groß zu denken und ihre Ideen ohne Einschränkungen zu entwickeln. Dieser Ansatz prägt das Projekt bis heute.

Abb.: Einbau des Motors in die "Roboterturtle" an der Berufsschule in Altötting
Die fertigen Traummaschinen werden am 4. Juli 2026 im Rahmen des "Festivals der Zukunft" im Deutschen Museum in München präsentiert. Dort werden sie für mehrere Wochen ausgestellt, bevor sie zurück an die Schulen gehen.
Vom Klassenzimmer ins echte Leben: Warum MyMachine mehr ist als ein Projekt
Im Kern zeigt MyMachine, was möglich wird, wenn Lernen nicht von der Bildungsinstitution her gedacht wird, sondern vom Kind aus. Wenn nicht vorgegeben wird, was gelernt werden soll, sondern Raum entsteht für eigene Ideen, für Kreativität und für echte Umsetzung. Gerade im MINT-Bereich eröffnet sich dadurch ein Zugang, der nicht über abstrakte Inhalte funktioniert, sondern über Neugier, Gestaltung und Erfahrung.
MyMachine macht sichtbar, dass Bildung dann besonders wirksam wird, wenn sie reale Prozesse abbildet, Verantwortung überträgt und Lernende miteinander verbindet. Was hier entsteht, sind nicht nur die Traummaschinen der Kinder. Es entsteht bei allen Lernenden und Lehrenden ein Verständnis dafür, wie Ideen Wirklichkeit werden können – und damit eine zentrale Grundlage für die gemeinsame Gestaltung der Zukunft.

Einblick in das Projekt auf der Futuromundo EDU in Stuttgart
Ankündigung: am 25. Juni 2026 geben Prof. Dr. Uta Hauck-Thum (Ludwig-Maximilians Universitlt München), gemeinsam mit Petra Ferrari (Geschäftführerin Galileo Bildungshaus) und Nana Moutafidou (Universität Stuttgart) und Piet Grymonprez (Gründer der MyMachine Global Foundation) einen Einblick in die Didaktik des einzigartigen Lehrprojekts. Die Initaitive Classroom Thinktank fördert den Zugang für Lehrende, Schulleitende, Studierende pädagogischer Berufe und Teilnehmer von pädagogischen Seminaren des Landes Baden-Württemberg. Infos zur Fortbildung finden sich auf unserer Seite hier.
Danke an Prof. Dr. Uta Hauck-Thum für den Blick hinter die Kulissen. Ihren persönlichen Blogbeitrag findet ihr hier.



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