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Traummaschinen erfinden: Wie das internationale Projekt die Zukunft des Lernens verändert.

Aktualisiert: 2. Aug. 2025

Mehr Kreativität: Grundschüler, Studierende und die Sekundarstufe

arbeiten zusammen, um funktionierende Prototypen herzustellen.

(Beitrag der Stuttgarter Zeitung, Redakteur Torsten Ströbele)




Eine Maschine, die Langeweile bekämpft? Oder eine, die Komplimente macht? Vielleicht sollte es eine Maschine geben, die Pommes abfeuert? Ja, warum nicht? Was sich für viele im ersten Moment verrückt anhört oder den Anschein erweckt, als sei es unmöglich, so eine Maschine zu bauen, der kennt das Projekt „MyMachine“ noch nicht. Hier ist alles erlaubt!


2007 wurde MyMachine in Belgien ins Leben gerufen – unter anderem von Piet Grymonprez. „Das Projekt beginnt dort, wo wir das größte, normbrechende, kreative Potenzial erwarten können: in den Grundschulen.“ Dort werden Kinder eingeladen, ihre Traummaschine zu erfinden. „Eine Traummaschine kann alles Mögliche sein. Wir betrachten zum Beispiel einen Stuhl auch als eine Maschine, die einem hilft, sich hinzusetzen“, erklärt der Ingenieur- und Kommunikationswissenschaftler. „Wir haben MyMachine gegründet, weil wir mehr Kreativität im Bildungssystem wollen.“ In Schritt 2 helfen Universitätsstudenten dabei, ein Konzept für die Ideen der Kinder zu entwerfen; in Schritt 3 helfen dann Sekundarschüler aus technischen oder beruflichen Schulen dabei, die Maschine herzustellen. So sind bisher Zehntausende Traummaschinen in 13 Ländern und auf drei Kontinenten auf Papier gezeichnet und 625 funktionierende Prototypen gebaut worden. Egal, was mit der Traummaschine eines jeden einzelnen Kindes passiert, ob der Entwurf ernst gemeint oder albern ist: Es geht um den Prozess, den Weg und das Lernen. „Wir fördern brillante Köpfe, die es immer noch wagen, anders und kreativ zu denken. Dies ist für den Fortschritt unerlässlich, denn alte Gewohnheiten öffnen keine neuen Türen“, heißt es auf der Internetseite von MyMachine. „Wenn wir wirklich bahnbrechende Lösungen unter anderem für Armut, Krebsbehandlung, Weltraumforschung, Mobilität, Energie, gesunde Lebensmittelversorgung wollen, müssen wir diejenigen fördern, die es wagen, anders zu denken.“ Diese – oft zunächst als verrückt wahrgenommenen – Ideen kämen von Menschen, die den Mut haben, sie auszudrücken und zu testen. „Wir haben MyMachine gegründet, weil wir mehr Kreativität im Bildungssystem wollen.“



Das Projekt ist nun auch in Deutschland angekommen – genauer gesagt in Stuttgart. Zu verdanken ist das den Brüdern Leonard und Gordon Sommer sowie ihrer Initiative Classroom Thinktank. „Durch innovative Prinzipien und Methoden wollen wir eine Lernkultur schaffen, die nicht nur Wissen vermittelt, sondern auch die Kreativität der Schüler entwickelt und sie auf zukünftige Herausforderungen vorbereitet“, sagt Leonard Sommer.

Im ersten Jahr von „MyMachine“ in der schwäbischen Landeshauptstadt soll das gemeinsam mit der Universität Stuttgart, dem Galileo-Bildungshaus und der Max-Eyth-Schule gelingen. Seit Januar läuft das Projekt. Alle rund 180 Grundschüler aus dem Bildungshaus waren zunächst aufgefordert, ihre Traummaschine zu entwerfen.


„In einer Welt, die immer komplexer wird, ist es wichtig, dass Schüler nicht nur die Grundlagen der Mathematik oder Physik verstehen, sondern auch lernen, kreativ zu denken und zu handeln“, sagt Petra Ferrari, Gründerin und Schulleiterin des Galileo-Bildungshauses. Grenzen gibt es dabei keine. Das war auch den 16 Studierenden der Uni Stuttgart bewusst, als sie in den Prozess eingestiegen sind und die Grundschüler besucht haben. Die Maschinenbauer, Ingenieure, Luft- und Raumfahrttechniker, Architekten und Co. staunten nicht schlecht, auf welche Ideen die Mädchen und Buben kamen.



„Es war ein toller generationenübergreifender Austausch“, bilanziert Nana Moutafidou aus der Abteilung Innovationen und Projekte in Studium und Lehre der Uni. Aus allen rund 180 Entwürfen galt es dann aus jeder Klassenstufe drei Traummaschinen auszuwählen. Das durften die Kinder selbst übernehmen. Die Fragestellung bei der geheimen Abstimmung lautete: „Welche Maschine würdest du gerne ausprobieren?“ Anschließend prüften die Studierenden die zwölf Entwürfe auf Herz, Nieren und Umsetzbarkeit, ehe sie pro Klassenstufe eine Traummaschine bestimmten, die gebaut werden soll. Ausgewählt wurden ein Schloss, aus dem man verwandelt heraustritt, eine Plastik-aus-dem-Meer-fisch-Maschine, ein Freund fürs Leben und ein Schatz-vom-Meerboden-Sammler-Boot. Bevor die Max-Eyth-Schule mit dem Bau der Prototypen beginnt, entstehen zunächst detaillierte Baupläne.



Der gesamte Prozess – von der ersten Idee bis zur fertigen Traummaschine – erstreckt sich über mehrere Monate. In dieser Zeit lernen die teilnehmenden Kinder und Jugendlichen, was es bedeutet, im Team zu arbeiten, unterschiedliche Perspektiven einzubeziehen und mit Rückschlägen konstruktiv umzugehen. Das Ergebnis ist weit mehr als ein funktionierender Prototyp: Es ist eine prägende Erfahrung, die das kreative Selbstvertrauen der Schüler stärkt.


Auch Stuttgarts Oberbürgermeister Frank Nopper zeigt sich begeistert von dem Konzept und hat die Schirmherrschaft übernommen. In den kommenden Jahren soll das Projekt dank engagierter Förderer auf weitere Schulen in Baden-Württemberg ausgeweitet werden.

 
 
 

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